Nervosität gegen Abgeklärtheit

1.-Liga-Eishockey Das Aargauer Derby endet in Wettingen mit einem klaren 6:2-Sieg Aaraus

Die Machtverhältnisse im Eishockey-Kanton Aargau haben sich noch nicht verschoben: Der EHC Aarau gewann das erste Derby der laufenden Saison in Wettingen deutlich mit 6:2 und hat in der Tabelle zum Kantonsrivalen aufgeschlossen.

Marcel Kuchta

Die Tribüne im Eisstadion Tägerhard war gut gefüllt. Die (geschätzten) 265 Zuschauer, die sich das erste Aargauer Eishockey-Derby der laufenden Saison nicht entgehen lassen wollten, bekamen eine intensive und bis ins letzte Drittel hinein spannende Partie zu sehen, in welcher der EHC Aarau schliesslich einmal mehr das bessere Ende für sich behielt.

Die Aarauer verzeichneten bereits in den ersten zehn Spielminuten deutliche Vorteile. Der einzige (und zu knappe) Lohn blieb Patrick Rothens Führungstreffer. Mit der ersten Chance gelang den Wettingern durch Eric Wittwer fast aus dem Nichts der Ausgleich. Wenig später schoss Topskorer Pascal Wittwer seine Farben gar in Führung. Die Aarauer gerieten für kurze Zeit aus dem Tritt und mussten froh sein, dass sie den knappen Rückstand in die Drittelpause retten konnten.

Offensichtlich hatte dort Trainer Peter Hofmann die richtigen Worte gefunden. Spätestens nach Zietalas Ausgleich – knapp nach Spielhälfte – waren die Westaargauer wieder die bessere Mannschaft. Bei den Wettingern machte sich, je länger die Partie dauerte, mehr und mehr die dünne Spielerdecke bemerkbar. Auf den Aarauer Führungstreffer durch Rothen gegen Ende des zweiten Drittels fanden die Gastgeber keine Antwort mehr. Spätestens nach dem 2:4 durch Nietlisbach (47.) war die Luft beim EHC Wettingen-Baden spürbar draussen. Patrick Rothen, der Aarauer Neuzugang von Rotblau Bern, schraubte mit den beiden Treffern zum letztlich zu hohen 6:2-Sieg der Adler sein persönliches Konto auf sagenhafte vier Tore auf.

«Heute hat ein 1.-Liga- gegen ein Juniorenteam gespielt», schilderte Wettingens Trainer Kai Puonti seine Sicht der Dinge. Er sei zwar stolz auf die Leistung seiner Spieler, aber in diesem Derby hätten einige mit zu vielen Problemen im mentalen Bereich zu kämpfen gehabt. In der Tat machten einige Wettinger Akteure einen übermotivierten und entsprechend nervösen Eindruck.

Auf der anderen Seite wirkten die Aarauer ungleich abgeklärter und liessen sich auch nicht durch den ungünstigen Lauf der Dinge im ersten Drittel aus dem Konzept bringen. «Wir haben uns gut auf dieses Derby vorbereitet», unterstrich Peter Hofmann, dass man die Wettinger keineswegs auf die leichte Schulter nahm. «Die Startphase ist jedoch fast ein wenig zu gut gelaufen für uns», hatte der Aarauer Trainer beobachtet. Nach der erneuten 3:2-Führung im Mitteldrittel habe seine Mannschaft jedoch die Partie dominiert und am Ende verdient gewonnen. Eine Sicht der Dinge, die sich auch mit jener seines Wettinger Trainerkollegen deckte.

Während die Aarauer nun zweimal in Folge siegreich blieben und nach dem durchwachsenen Saisonstart klare Aufwärtstendenz zeigen, kämpft man bei den Wettingern nach zwei Heimniederlagen in Folge dagegen, in ein Loch zu fallen. Kai Puonti denkt nicht, dass seine Mannschaft in eine Krise schlittern wird. Aber er weiss, dass er in den kommenden Tagen «viel mentale Arbeit» verrichten muss. Zumal ihm mit dem verletzten Captain Oliver Urech ein ganz wichtiger Mann noch mindestens zwei Monate lang fehlen wird.

Auf Aarauer Seite blickt man den kommenden Aufgaben optimistisch entgegen, obwohl die Verletzungshexe auch in der Kantonshauptstadt Dauergast ist. Mit Mario Mathis stand der nominell dritte Goa-lie der Aarauer im Tor. Auch er ist eine Leihgabe von Partnerteam Zug, dessen Unterstützung für seine Mannschaft «ein Glücksfall» sei, so Peter Hofmann. In eine Euphorie wird man beim EHC Aarau trotz zuletzt positiver Entwicklung nicht verfallen. «Wir schauen nicht zu weit voraus und nehmen Spiel für Spiel», übt sich Hofmann in Zurückhaltung. Schon morgen Abend steht die nächste Bewährungsprobe auf dem Programm. Das gut gestartete Zunzgen-Sissach kommt in die Keba Brügglifeld.