© Aargauer Zeitung / MLZ; 23.09.2005

Den Blick nach hinten gerichtet

1.-Liga-Eishockey Der EHC Aarau und die Beavers Wettingen-Baden vor der neuen Saison

Sowohl der EHC Aarau als auch die Beavers Wettingen-Baden stehen vor einer schwierigen 1.-Liga-Saison. Für die beiden Aargauer Mannschaften ist der Klassenerhalt wohl das höchste aller Gefühle.

marcel kuchta

Sparen ist angesagt. Sowohl im Westen wie im Osten des Kantons befindet man sich auf Geldsuche. Der EHC Aarau, seit Jahren Stammgast in der 1. Liga, musste nach dem Rücktritt von Präsident Frédéric Renzen noch extremer auf die Kostenbremse drücken als vorher. Nachdem man die letzte Saison mit einem Defizit von 25 000 Franken abgeschlossen hatte, belaufen sich die Verbindlichkeiten des Vereins inzwischen auf 40 000 Franken. Beim EHC Wettingen-Baden sieht es ähnlich aus. «Die Sponsoren-Suche wird von Jahr zu Jahr schwieriger», erklärt Vereinspräsident Ronny Brunner. Im August riefen die Beavers zu einer ausserordentlichen Generalversammlung, wo neue Beschlüsse in Sachen Geldbeschaffung gefasst wurden. Auch die 1. Mannschaft hilft mit: Die Spieler verzichten auf Verträge und somit auf Entschädigungen, wie sie sonst in der 1. Liga an der Tagesordnung sind.

Während man sich in Wettingen bewusst ist, dass die Existenz in der 1. Liga auch heuer einer Gratwanderung gleichkommt, so fällt der Umdenk-Prozess in Aarau eher schwerer. Die Adler gehörten in den vergangenen Jahren traditionell zu den besseren 1.-Liga-Mannschaften. Durch die Abgänge der Routiniers Giovanni Pestrin, René Ackermann und Roland Schibler sowie von Verteidiger-Talent Adrian Poggio (zum EHC Olten) hat die Mannschaft jedoch klar an Substanz eingebüsst. Ersetzt wurden die Leistungsträger durch junge Spieler. Vom Partnerteam EV Zug kam Goalie Jan Feldmann (19), aus der Nationalliga B Verteidiger Serge Haas (21/Ajoie). «Ich bin überzeugt, dass wir gegen jede Mannschaft bestehen können», ist Neo-Trainer Peter Hofmann trotz allem optimis-tisch. Auch wenn der EHC Aarau ein sehr junges Team ins Rennen schickt, ist das Saisonziel das Erreichen der Playoffs, was gleichbedeutend mit den Rängen eins bis acht nach der Qualifikation ist.

Problematisch ist bei beiden Aargauer 1.-Ligisten die fehlende Breite des Kaders. Sowohl Peter Hofmann als auch sein Wettinger Amtskollege Kai Puonti müssen mit lediglich drei kompletten Blöcken auskommen. Die vierte Linie soll hüben wie drüben durch eigene Junioren aufgefüllt werden. Damit setzt man aufseiten der Beavers einerseits konsequent die Vereinsphilosophe in Sachen Nachwuchsförderung um, andererseits nimmt man auch sportliche Risiken in Kauf. Puonti wagt etwa gar nicht daran zu denken, was passiert, sollten sich bei ihm mal zwei, drei der gestandenen 1.-Liga-Spieler verletzen. Wettingens Sportchef Max Walker konnte seinem Trainer bei der Zusammenstellung des Kaders nicht gross behilflich sein: «Erstens gibt der Spielermarkt nicht viel her, zweitens sind wir zum Sparen verurteilt», bringt er das Dilermma auf den Punkt.

In Wettingen weiss man, dass die kommende Saison ähnlich schwierig werden könnte wie die vergangene, als man den Klassenerhalt nur schaffte, weil keiner der 2.-Ligisten aufsteigen wollte. «Unser Hauptinteresse ist, unseren guten Jun-ioren eine intakte 1. Mannschaft zur Verfügung zu stellen», sagt Walker. «Wenn wir mit diesem Kader in der 1. Liga bleiben, gut. Sollten es nicht reichen, dann müssen wir das auch akzeptieren», beurteilt auch der Präsident die Situation realistisch. Freiwillig werde man - auch wenn es wieder eine Saison mit vielen Niederlagen geben sollte - jedoch sicher nicht in die 2. Liga absteigen. «Was bringt es denn, wenn man jahrelang immer in der gleichen Liga hockt?», fragt Ronny Brunner. (Mitarbeit: hasi)