© Aargauer Zeitung / MLZ; 02.03.2004; Seite 1

Baden

Biber sind 10-jährig und haben mächtig Biss

EISHOCKEY-JUBILäUM · Mighty Beavers des EHC Wettingen-Baden werden seit 10 Jahren vorbildlich gefördert

Mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchs sind die Beavers in die 1. Liga aufgestiegen. Und in den 10 Nachwuchsmannschaften spielen 140 Jungtalente. Doch ohne Eishalle geht es nicht mehr vorwärts.

Andreas Krebs

Am Anfang will jedes Kind Goalie sein - wegen der Ausrüstung», sagt André Kreuzer, Sportchef und Piccolo-Trainer des EHC Wettingen-Baden. Die 1. Mannschaft ist am 25. Februar in die 1. Liga aufgestiegen. 4 Spieler wurden extern eingekauft, 12 wollten als Knirpse bei den Mighty Beavers Goalie sein. Heute sind die meisten Stürmer oder Verteidiger. «Es ist wichtig, dass die Jungen wissen, dass sie im eigenen Klub etwas erreichen können», sagt Kreuzer.

Jahrzehntelang haben sich die Spieler des SC Wettingen und des EHC Baden auf dem Eis bekämpft, Derbystimmung pur. 1993 sind sie über ihren eigenen Schatten gesprungen und haben fusioniert, mit dem Ziel, dem Eishockey im Ostaargau eine Zukunft zu geben und die Nachwuchsarbeit auf gesunde Beine zu stellen.

In der klubunabhängigen Hockeyschule arbeiten heute 8 Trainer mit bis zu 80 Knirpsen im Kindergartenalter, Betreuer binden Schuhe und trösten bei Blessuren und Niederlagen. Ruedi Imhof hat die Hockeyschule aufgebaut. Die Hemmschwelle mitzumachen sei niedrig, da man keine Verpflichtungen eingehen müsse und die teure Ausrüstung für 100 Franken pro Jahr mieten könne, sagt Kreuzer. «Die Kinder sind schnell begeistert, für sie ist alles neu. Schlittschuhfahren macht mehr Spass als rennen. Sie sehen bald, dass sie Fortschritte machen, das motiviert.»

Langer Weg vom Moskito zum Biber

Im Klub bilden 140 Nachwuchsspieler 10 Mannschaften - damit haben die Biber eine grosse Brut wie sonst kein Aargauer Verein. Eine gute dazu: Von den Moskitos bis zu den Junioren spielen alle Teams gegen Nachwuchsmannschaften von 1.-Liga-Vereinen, die Junioren lassen gar den Nachwuchs zweier Nationalliga-A-Vereine weit hinter sich. Die Besten wechseln mit 13, 14 Jahren zu einem Grossverein. Bekannte Ex-Beavers sind Raphael Walter (EV Zug), Dario Kostovic (Kloten), Christian Schuster (Langenthal); Stefanie und Julia Marti spielen im A-Team der Nationalmannschaft; Robin Bauer wurde mit dem Zürcher SC Schweizer Meister und spielt jetzt wieder im Tägi bei den Mighty Beavers.

«Eishockey ist für die Eltern noch aufwändiger als für die Kinder», sagt Kreuzer. Deshalb müssten die Trainer gut mit den Eltern kommunizieren. Und die Spieler an der Stange halten: Schon die 8-Jährigen trainieren 3-mal wöchentlich, während der Saison spielen sie fast jede Woche ein Turnier, manchmal in Basel, manchmal im Tessin. Jede Mannschaft wird von 2 bis 3 Coaches trainiert. Die meisten Trainer kommen aus den eigenen Reihen, sie sind von Jugend + Sport ausgebildet und «eine sensationell gute Crew». Gute Spieler werden auch in oberen Altersklassen eingesetzt. Mit 30 ist man Senior, der älteste aktive Beaver ist 58.

Jetzt sind die Politiker gefragt

Die Beavers haben 4 Aktivteams. Die Fanionen spielen nächste Saison 1. Liga. Mit möglichst wenig neuen auswärtigen Spielern will der Verein dieses Niveau halten. Dabei gibt es aber ein entscheidendes Problem: «Unser limitierender Faktor ist ganz klar das offene Eisfeld. Um einen weiteren Schritt vorwärts zu machen, brauchen wir eine Halle», sagt Kreuzer. «Seit ich Hockey spiele, redet man von einer Halle.» Das sind 20 Jahre. Die Mighty Beavers trainieren und spielen auch im Regen, ist es zu nass, muss der Schiedsrichter das Spiel abbrechen. Zum Kühlen des Eises wird viel Energie verschwendet. Der EHC Wettingen-Baden hat der Planungsgruppe Region Baden-Wettingen (Repla) ein Projekt vorgelegt, «mit 3,5 Millionen Franken kann man eine schöne Halle bauen», sagt Kreuzer.

Überfällig Auf dem Eisfeld wirds im Trainingsbetrieb eng, und das bei jedem Wetter. Drum: Seit Jahren wünschen sich die Hockeyaner eine Eishalle. zvg

Frauensache Goalie-Fräulein Désirée greift sich den Puck. zvg

Jubiläum mit Sport, Plausch und Ice-Disco

10. MINI-NOVIZEN-TURNIER · 10 Teams, Urs Meier auf Eis, Lonny Bohonos am Griffel

Das Mini-Novizen-Turnier des EHC Wettingen-Baden ist in der Eishockey-Region Zentralschweiz das einzige internationale Turnier für 13- bis 14-Jährige. Von Freitag 5. März, bis Sonntag, 7. März, kämpfen 10 Mannschaften um die Mighty-Beavers-Trophy. Wegen des Jubiläums gibt es ein attraktives Rahmenprogramm: Am Freitag spielen Politiker aus Baden und Wettingen; gepfiffen wird das Spiel von Danny Kurmann, Schiedsrichter des Jahres, und von Urs Meier, der für einmal die Nockenschuhe mit den Schlittschuhen tauscht. «Hoffentlich regnet es die letzten 10 Minuten», sagt Kreuzer, «dann sehen die Politiker, wie es ist, ohne Halle zu spielen.»

Am Samstag um 20 Uhr gibt es Derbystimmung wie anno dazumal: Die Mannschaften des SC Wettingen und des EHC Baden spielen in der Formation der Saison 89/90 gegen-einander. Das war kurz vor der Fusion, «wir haben uns 30 Jahre lang bekämpft», sagt Andreas Münch vom Turnier-OK. Nach dem Spiel gibt es eine Disco on Ice.

Am Sonntag, um 13.30 Uhr, läuft der Eislaufclub Wettingen Kunst, dann unterschreiben die ZSC-Spieler Lonny Bohonnos und Matthias Schoder Autogramme. Ab 16 Uhr läuft das Finale um die Mighty-Beavers-Trophy. (krea)