Glänzende Perspektiven im «Tägi»

Eishockey Die vorbildliche Nachwuchsarbeit der Beavers Wettingen-Baden trägt Früchte

Die Nachwuchsabteilung der Beavers Wettingen-Baden funktioniert seit vielen Jahren vorbildlich. Mithilfe der konsequenten Juniorenförderung wollen sich die Ostaargauer langfristig in der 1. Liga etablieren.

marcel kuchta

1993 fusionierten der EHC Baden und der SC Wettingen zum EHC Wettingen-Baden. Schon drei Jahre vorher hatte die Zusammenarbeit auf Junioren-Ebene begonnen. Seit dem Zusammenschluss gilt das Hauptaugenmerk des neuen «Grossvereins» der Nachwuchsförderung. Inzwischen schnüren gegen 160 Juniorinnen und Junioren ihre Schlittschuhe für die Beavers (Biber).

Skaten für die eigene ausbildung Die Nachwuchsspieler der Beavers Wettingen-Baden beim alljährlichen Skateathon. bda

Die erste Mannschaft des EHC Wettingen-Baden spielt zwar in der 1. Liga hinter dem EHC Aarau die zweite Geige. Doch die enorme Entwicklung im Nachwuchsbereich, gepaart mit den günstigen langfristigen Perspektiven, machen die Ostaargauer zum heimlichen Eishockeyzentrum des Kantons. Pikanterweise spannt der EHC Wettingen-Baden nicht mit einem Aargauer Klub zusammen, sondern mit dem EV Dielsdorf-Niederhasli. Die bestehende Zusammenarbeit mit dem HC Woh-len-Freiamt läuft nur noch auf tiefem Niveau. Eine Kooperation mit dem EHC Aarau kann man sich bei den Beavers nicht vorstellen, da man in der Kantonshauptstadt auf 1.-Liga-Niveau wohl die sportliche Hauptrolle beanspruchen würde.

170 000 Franken lassen sich die Beavers ihre Juniorenförderung pro Saison kosten. Das entspricht knapp 60 Prozent des Vereins-Gesamtbudgets. Der Löwenanteil des Gelds wird via Sponsoren und dem Skateathon, an welchem sich alle Nachwuchsspieler beteiligen, generiert. Dafür leistet man sich im «Tägi» auch einen Profi-Trainer. Kai Puonti betreut neben der 1.-Liga-Mannschaft sämtliche Nachwuchsteams bis zu den Novizen hinunter. Wettingens Sportchef Heinz Leuenberger bezeichnet den Finnen als «Glücksfall» für den Verein und möchte den Vertrag des Eishockeylehrers bis Mitte Januar um zwei weitere Jahre verlängern.

Neben Puonti leisten eine Vielzahl weiterer Trainer Frondienst für die Beavers. «Es ist für uns immer eine grosse Herausforderung, gute Leute zu finden, die umsonst arbeiten», beschreibt Leuenberger die in vielen Sportarten bekannte Problematik. Nicht einmal die Spieler der ersten Mannschaft erhalten eine Entschädigung. «Alle im Verein sind sich einig, dass man das Geld besser in einen ausgezeichneten Mann wie Kai Puonti oder beispielsweise in die Infrastruktur des Stadions investieren soll», erklärt Leuenberger die konsequent gelebte Vereinsphilosophie.

Die Früchte der engagierten Nachwuchsarbeit sollen in den kommenden Jahren geerntet werden. Schon fünf Spieler im Alter von 16 und 17 Jahren kamen in der laufenden Saison in der 1. Liga zum Einsatz. Heinz Leuenberger glaubt daran, dass die stark abstiegsgefährdete erste Mannschaft doch noch irgendwie den Klassenerhalt schafft. «Aber selbst wenn wir absteigen würden, wäre das kein Beinbruch. Dann würden wir in der 2. Liga einen neuen Anlauf nehmen.» Denn längerfristig sieht man im Ostaargau den EHC Wettingen-Baden in der 1. Liga. «Dort wollen wir uns etablieren und dabei wenn immer möglich auf externe Verstärkungen verzichten», macht Leuenberger klar. «Den Leis-tungssport fördern, ihn aber nicht teuer erkaufen», lautete die Maxime. Angesichts der heranwachsenden Spielergenerationen kein utopisches Ziel. Die Novizen klopfen gar an die Türe zur höchsten Spielklasse, wo sich die Nachwuchsteams der Nationalliga-Klubs tummeln.

Klar ist, dass man in Wettingen allen Ambitionen zum Trotz besonders talentierten Spielern keine Steine in den Weg legt, wenn diese ihre Karriere in den Juniorenteams eines NLA-Klubs weiterführen wollen. «Und wenn sie es dort nicht schaffen sollten, dann werden sie bei uns wieder mit offenen Armen empfangen», sagt Leuenberger.